Prosumer Haushalte

Berliner Energietage 2016: Impulse für eine neue Energiewelt

Am 13. April 2016 wurde die Rolle der Prosumer-Haushalte, als vielversprechender Schlüsselakteur des Energiesystems der Zukunft, im Rahmen der Berliner Energietage beleuchtet. Vertreter/innen aus Wissenschaft, Politik sowie Gesellschaft – repräsentiert durch Prof. Dr. Bernd Hirschl (IÖW), Cornelia Viertl (BMWi), Prof. Dr.-Ing. Bernd Engel (TU Braunschweig) und Udo Sieverding (Verbraucherzentrale NRW) – diskutierten auf dem Podium unter anderem über die Integration der Prosumer in das Energiesystem und deren politische Relevanz. Die Basis dafür bildeten drei Impulsvorträge.

Hohe Motivation: Bürger/innen wollen Energiewende mittragen

Bernd Hirschl gab einen thematischen Einstieg in die aktuelle Forschung. Er präsentierte Erkenntnisse aus den IÖW-Projekten „Prosumer-Haushalte“ sowie „PV-Nutzen“ vor und verwies dabei Potenziale und Hemmnisse. Hirschl betonte außerdem die hohe Motivation der Bürger/innen, die Energiewende mitzutragen sowie die wirtschaftliche Relevanz und Systemdienlichkeit von Prosumer-Haushalten, die intelligente Messtechnik nutzen. Schlechte politische Rahmenbedingungen, wie Umlagebelastung und verpflichtende Direktvermarktung für größere Anlagen würden den Eigenverbrauch hingegen ausbremsen. Damit die Transformation im Energiesystem funktioniert, müssen das Ausbaupotenzial sowie die Investitionsbereitschaft privater Investoren stärker genutzt werden. Außerdem, so Hirschl abschließend, müsse Prosumern eine systemdienliche Integration, der von ihnen erzeugten Energie, ermöglicht werden.

Intelligente Messsysteme für Prosumer

Cornelia Viertl verdeutlichte in ihrem Impulsvortrag die politische Relevanz der Energiesystemtransformation und zeigte das Engagement des BMWi anhand von geplanten Modellprojekten und –initiativen auf. Die Ziele des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und das neue Strommarktgesetz waren dabei zentrale Themen von Viertls Impuls. Die Versorgungssicherheit, welche eine systemdienliche Integration von Erneuerbaren Energien sowie einen Ausgleich von Stromangebot und -nachfrage auf dem Markt verlangt, ist ein zentraler Maßstab für Prosumer-Haushalte. Der Einbau von intelligenten Messsystemen (Smart Meter) ist somit unabdingbar und soll im Rahmen gesetzlicher Neuerungen zur Digitalisierung der Energiewende in den kommenden Jahren verpflichtend gefördert werden – unter Berücksichtigung von Datenschutz und -sicherheit. Finanzielle Anreize sollen dabei im Fokus der Politik stehen. Ausblickend verwies Viertl auf die Sektorkopplung zwischen Wärme, E-Mobilität und Speicherung.

Smart Meter auch für kleine PV-Anlagen?

Die Sektorkopplung war der Einstieg von Bernd Engel, der anhand des Smart Homes – ein Konzept, welches E-Mobilität und Wärmeerzeugung und -nutzung in Haushalten verbindet – visualisierte. Er betonte die Bedeutung des Eigenversorgungsanteils als wesentlichen Treiber für PV-Anlagen und dezentralen Speichertechnologien, die netzdienlich betrieben werden können. Nur durch den Ausbau von Speichertechnologien könne die in Zukunft auf dem Energiemarkt benötigte Flexibilität erreicht werden, so Engel. Er kritisierte den Smart-Meter Ansatz seiner Vorrednerin dahingehend, dass so die Wirtschaftlichkeit von kleinen PV-Anlagen gefährdet sein könnte. Höhere Bagatellgrenzen würden hier eine Abhilfe schaffen.

Ob Eigenverbrauch und dezentrale Energieerzeugung durch Privathaushalte oder doch die großflächige Erzeugung zukunftsweisend für die Transformation des Energiesystems sein werden, bleibt offen. Einigkeit bestand auf dem Podium darin, dass die Eigenversorgung ein wichtiger Bestandteil und ein wesentliches Element der Bürgerbeteiligung und Akzeptanz für die Energiewende darstelle. Rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen müssen stetig angepasst und offen für Alternativen sein. Die Wissenschaft sowie die Stimme der Verbraucherzentrale fordern einen Fokus auf den Eigenverbrauch, die Politik hält sich mit der Betonung des Kostenvorteils des Netzausbaus eher zurück. Für Udo Sieverding ist der Schutz der Verbraucher bei all dem essentiell. Klare Linien in der Förderungspolitik sowie Rahmenbedingungen für den Schutz von Individuen vor Netzbetreibern und Datenklau sollten zukünftige Debatten dominieren.

++++++++++++++++++++

Die Vorträge stehen online als Download zur Verfügung.